Wer 30 Jahre lang zu 100 Prozent in Aktien-ETFs anspart, sitzt fünf Jahre vor Rentenbeginn auf einem Depot, dessen Wert um 30 oder 40 Prozent schwanken kann. Das Altersvorsorgedepot ab 2027 erlaubt dir, in Aktien, Fonds und ETFs anzusparen, entweder mit Beitragsgarantie oder renditeorientiert ohne Garantie.
Umschichten bedeutet, dein Kapital innerhalb des Depots von schwankungsreichen Anlagen wie Aktien-ETFs in ruhigere Bausteine zu verlagern, bevor du es brauchst. Der richtige Zeitpunkt hängt an deinem Alter, an der 5-Jahres-Frist für den kostenfreien Anbieterwechsel und daran, wann deine Auszahlphase startet. Ab dem vollendeten 65. Lebensjahr darf sie frühestens beginnen, spätestens mit dem 70. Geburtstag.
Was bedeutet Umschichten beim Altersvorsorgedepot für dein angespartes Kapital?
Umschichten bedeutet, die Zusammensetzung deines angesparten Kapitals zu verändern, ohne den Vertrag zu kündigen oder auszuzahlen. Du verkaufst innerhalb des Vertrags Anteile einer Anlageklasse und kaufst dafür eine andere, etwa raus aus Aktien-ETFs und rein in kurzlaufende Anleihen oder ein Geldmarktprodukt.
Das Ziel ist die Absicherung. Ein Aktiendepot kann in einem schlechten Börsenjahr deutlich einbrechen. Passiert das im Jahr vor deiner ersten Auszahlung, musst du zum Tiefstkurs verkaufen und verlierst Rendite, die du nie wieder aufholst. Wer das Kapital vorher in ruhigere Anlagen verlagert, schützt das, was über Jahrzehnte gewachsen ist.
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Zwei Dinge musst du dabei sauber trennen. Umschichten innerhalb des Depots ändert nichts an deiner Förderung, du bleibst im selben Vertrag. Ein Wechsel des Anbieters oder der Depotstrategie ist etwas anderes und an eigene Fristen gebunden.
Diese Situationen führen typischerweise zum Umschichten:
- Du näherst dich dem Rentenbeginn und willst das Depot vor Kursrückschlägen absichern.
- Deine Aktienquote ist durch starke Kursgewinne höher geworden, als du sie eigentlich haben willst.
- Du wechselst von der garantielosen renditeorientierten Variante in eine ruhigere Aufteilung.
- Dein Anlageziel oder deine Risikotoleranz hat sich geändert, etwa nach einem Jobwechsel oder einer Erbschaft.
Ab wann solltest du im Altersvorsorgedepot mit dem Umschichten beginnen?
Der wichtigste Umschichtungszeitpunkt liegt in den letzten fünf bis zehn Jahren vor deinem geplanten Auszahlungsbeginn. Da die Auszahlphase frühestens ab dem vollendeten 65. Lebensjahr startet, heißt das für die meisten: ab etwa 55 bis 60 anfangen, die Aktienquote schrittweise zu senken.
Der Grund ist die verbleibende Anlagedauer. In der Ansparphase mit 20 oder 30 Jahren Zeit sitzt du Börsenkrisen einfach aus, die Kurse erholen sich fast immer wieder. Fünf Jahre vor der Auszahlung fehlt dir diese Zeit. Ein Crash trifft dich dann voll, weil du das Geld bald brauchst und nicht auf die Erholung warten kannst.
Ein pauschales Alter, an dem jeder umschichten muss, gibt es nicht. Entscheidend ist dein persönlicher Auszahlungsplan. Startest du früh mit 65, beginnst du entsprechend früher mit der Absicherung. Schiebst du den Start bis 70 hinaus, hast du länger Zeit für eine höhere Aktienquote. Leg die Phasen mal direkt nebeneinander:
| Alter | Sinnvoller Fokus | Aktienquote (Orientierung) | |
|---|---|---|---|
| Frühe Ansparphase | bis ca. 50 | Maximale Rendite, Schwankungen aussitzen | hoch |
| Späte Ansparphase | ca. 50 bis 55 | Vermögen wachsen lassen, erste Planung | hoch bis mittel |
| Vorbereitung Auszahlung | ca. 55 bis 60 | Aktienquote schrittweise senken | mittel |
| Kurz vor Auszahlung | ca. 60 bis 65 | Kapital absichern, Kursrisiko rausnehmen | niedrig |
Achte darauf, ob du in der Garantie- oder in der garantielosen Variante sparst. Bei einem Depot mit Beitragsgarantie steuert der Anbieter die Sicherung teilweise mit, weil er die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn zusagen muss. In der renditeorientierten Variante ohne Garantie liegt die Verantwortung fürs Umschichten bei dir.
Die Auszahlphase im Altersvorsorgedepot darf frühestens ab dem vollendeten 65. Lebensjahr beginnen und muss spätestens mit dem 70. Geburtstag starten. Dieser Korridor bestimmt, wie viel Zeit dir für das gleitende Umschichten bleibt.
Warum ist die 5-Jahres-Frist beim Anbieterwechsel so entscheidend für deine Planung?
Die 5-Jahres-Frist entscheidet, ob ein Anbieterwechsel dich Geld kostet. Willst du dein Kapital nicht nur innerhalb des Depots umschichten, sondern zu einem anderen Anbieter mit besseren Konditionen umziehen, ist das nach fünf Jahren Vertragslaufzeit kostenfrei möglich.
Innerhalb dieser Frist darf der neue Anbieter eine Wechselgebühr verlangen, gedeckelt auf höchstens 150 Euro. Ein Wechsel ist außerdem zu Beginn der Auszahlungsphase möglich, also genau dann, wenn du ohnehin über die endgültige Aufteilung nachdenkst. Schau dir an, was rund um Wechsel und Umschichtung gilt:
- Umschichten innerhalb desselben Depots berührt die 5-Jahres-Frist nicht und ändert nichts an deiner Förderung.
- Ein Anbieterwechsel nach fünf Jahren Laufzeit ist kostenfrei.
- Vor Ablauf der fünf Jahre darf der neue Anbieter maximal 150 Euro Wechselgebühr berechnen.
- Ein Wechsel zu Beginn der Auszahlungsphase ist ausdrücklich erlaubt.
- Ein bestehender Riester-Vertrag lässt sich in ein Altersvorsorgedepot überführen.
Plane einen Anbieterwechsel deshalb nicht spontan im schlechtesten Moment. Wer die Frist im Blick hat, wechselt kostenfrei und schichtet parallel in eine sicherere Struktur um, statt zweimal Gebühren und Kursverluste zu tragen.
Wie sieht das Umschichten kurz vor dem Rentenbeginn in der Praxis aus?
Kurz vor Rentenbeginn geht es darum, das Kursrisiko planbar zu reduzieren, ohne die letzten Renditejahre komplett zu verschenken. Statt an einem Tag alles zu verkaufen, verlagerst du dein Kapital über mehrere Jahre in mehreren Schritten, ein sogenanntes gleitendes Umschichten.
Ein Beispiel mit runden Zahlen macht das greifbar. Angenommen, dein Depot ist mit 60 Jahren 100.000 Euro wert und deine Auszahlung startet mit 65. Statt am Stichtag zu verkaufen, senkst du die Aktienquote jedes Jahr. Rechne einmal mit, was sich dabei verändert:
| Alter | Aktienquote | Sicherer Anteil | Kapital (Annahme) |
|---|---|---|---|
| 60 | 80 % | 20 % | 100.000 € |
| 61 | 65 % | 35 % | 103.000 € |
| 62 | 50 % | 50 % | 105.000 € |
| 63 | 35 % | 65 % | 107.000 € |
| 64 | 20 % | 80 % | 108.000 € |
| 65 | 10 % | 90 % | 110.000 € |
Der Vorteil dieser Methode: Bricht die Börse mit 62 ein, ist nur noch die Hälfte deines Kapitals betroffen statt 80 Prozent. Gleichzeitig bleibst du bis zuletzt mit einem Restanteil investiert und nimmst weiter Kursgewinne mit. Der Wert im Beispiel ist eine Annahme, kein garantierter Verlauf.
Denk beim Umschichten kurz vor Rentenbeginn auch an die Teilkapitalauszahlung. Zu Rentenbeginn darfst du bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals einmalig entnehmen. Diesen Teil brauchst du zeitnah, ihn solltest du besonders früh absichern, damit er nicht kurz vor der Auszahlung von einem Kurssturz getroffen wird.
Wer das Teilkapital von bis zu 30 Prozent plant, sollte genau diesen Anteil als erstes absichern. Ein Kurssturz kurz vor der Auszahlung trifft sonst genau das Geld, das du am dringendsten brauchst.
Uwe Lätsch, finanda
Was kostet dich das Umschichten im Altersvorsorgedepot?
Umschichten innerhalb des Depots kostet keine gesonderte Gebühr, solange dein Anbieter Käufe und Verkäufe im Rahmen der laufenden Depotkosten abwickelt. Beim staatlich anerkannten Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten ohnehin auf höchstens 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt.
Trotzdem gibt es Posten, die du kennen solltest. Verkaufst und kaufst du Anteile, können bei manchen Anbietern Ausführungsentgelte anfallen, oft aber sind Sparplan- und Umschichtungsvorgänge kostenlos oder liegen bei bis zu rund 1,50 Euro je Ausführung. Günstige ETFs haben laufende Kosten von etwa 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Schau dir an, wie stark sich die einzelnen Blöcke unterscheiden:
| Kostenblock | Typische Höhe | Fällt beim Umschichten an? |
|---|---|---|
| Depotgebühr | oft 0 € | laufend, unabhängig vom Umschichten |
| Ausführung Kauf/Verkauf | 0 € bis ca. 1,50 € | ja, je Transaktion |
| Laufende ETF-Kosten (TER) | ca. 0,1 bis 0,3 % pro Jahr | laufend auf das investierte Kapital |
| Effektivkosten Standarddepot | max. 1,0 % pro Jahr | gedeckelt, laufend |
| Anbieterwechsel vor 5 Jahren | max. 150 € | nur bei Wechsel, nicht bei internem Umschichten |
Über lange Laufzeiten schmälert schon ein Kostenunterschied von wenigen Zehntel Prozent das Endkapital spürbar. Wer bei einem teuren Anbieter sitzt, für den kann sich ein kostenfreier Wechsel nach fünf Jahren mehr lohnen als jede clevere Umschichtung. Ein genauer Blick auf die Kosten deines Altersvorsorgedepots gehört deshalb zu jeder Umschichtungsentscheidung dazu.
Beim staatlich anerkannten Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt. Dieser Wert umfasst alle laufenden Kosten des Depots und der enthaltenen Produkte zusammen.
Was musst du beim Umschichten mit mehreren Altersvorsorgedepots beachten?
Führst du mehr als ein Altersvorsorgedepot, musst du jedes Depot einzeln steuern, denn eine automatische Abstimmung zwischen den Verträgen gibt es nicht. Neben einem bestehenden Altvertrag sind bis zu zwei weitere neue Altersvorsorgeverträge zulässig, du kannst also parallel mehrere Depots halten.
Mit parallelen Depots verdoppelt sich der insgesamt einzahlbare Jahresbetrag auf bis zu 13.680 Euro. Die Zulagenförderung bleibt aber pro Person auf den geförderten Höchstbeitrag begrenzt. Die Grundzulage gibt es nur einmal pro Person auf 1.800 Euro Eigenbeitrag. Beim Umschichten mit mehreren Depots solltest du diese Punkte im Blick haben:
- Betrachte die Aktienquote über alle Depots zusammen, nicht je Depot einzeln.
- Sichere zuerst das Depot ab, aus dem du zuerst auszahlen willst.
- Nutze die Aufteilung, um Kosten zu senken, etwa das teurere Depot beim Führen von zwei Depots gezielt zu wechseln.
- Achte darauf, dass jedes Depot seine eigene 5-Jahres-Frist für den kostenfreien Wechsel hat.
Bei Ehepaaren gilt das doppelt. Jeder Partner braucht ein eigenes Depot auf seinen Namen, ein Gemeinschaftsdepot für die geförderte Variante gibt es nicht. Wer beim Altersvorsorgedepot mit dem Ehepartner plant, stimmt die Umschichtung idealerweise auf beide Rentenbeginne ab.
Für wen lohnt sich frühes Umschichten im Altersvorsorgedepot?
Frühes Umschichten lohnt sich für alle, die planbar auf einen festen Rentenbeginn zusteuern und ihr angespartes Kapital nicht durch einen Crash im falschen Moment verlieren wollen. Wer mit 65 in die Auszahlphase startet, sollte spätestens Anfang 60 mit dem gleitenden Absichern beginnen.
Zurückhalten solltest du dich mit dem Umschichten, wenn bis zur Auszahlung noch 15 oder 20 Jahre liegen. Dann kostet dich zu frühes Absichern Rendite, weil du die schwankungsreichen, aber langfristig ertragreichen Aktien-ETFs zu lange meidest. In dieser Phase ist Aussitzen die bessere Strategie. Leg die Situationen mal direkt gegeneinander:
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Über 15 Jahre bis zur Auszahlung | Aktienquote hoch lassen, nicht umschichten |
| 5 bis 10 Jahre bis zur Auszahlung | Gleitend Aktienquote senken |
| Weniger als 5 Jahre bis zur Auszahlung | Sicheren Anteil deutlich erhöhen |
| Teilkapital von bis zu 30 % geplant | Diesen Teil besonders früh absichern |
| Teurer Anbieter und über 5 Jahre Laufzeit | Kostenfreien Wechsel prüfen |
Umschichten ist kein Automatismus, den du blind mit 60 startest. Es hängt an deinem konkreten Auszahlungsplan, an der Depotvariante und daran, ob du die Teilkapitalauszahlung nutzt. Ob sich das ganze Modell für dich rechnet, klärst du sinnvollerweise vorab bei der Frage, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt. Deine Sparraten und Verträge behältst du dabei kostenlos mit der finanda-App an einem Ort im Überblick.
Häufige Fragen
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und ohne Verkaufsdruck.