1.440 Euro vom Staat für dein Kind, verteilt über zwölf Jahre, 10 Euro pro Monat. Kaum war der Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente auf dem Tisch, hagelte es Kritik von Ökonomen, Verbraucherschützern und Oppositionsparteien. Zu wenig Geld, Gießkanne für Gutverdiener, schlechte Finanzbildung, teure Gebühren: Die Liste ist lang.
Am 16.10.2026 hat der Bundestag das Gesetz beschlossen, CDU/CSU und SPD dafür, Grüne und Linke dagegen, die AfD enthielt sich. Die Zustimmung des Bundesrates im zweiten Durchgang steht noch aus (Stand 19.10.2026). Grund genug, die wichtigsten Kritikpunkte sachlich durchzugehen, mit Namen, Zahlen und einer ehrlichen Einordnung, was das Programm wirklich leisten kann.
Was ist die Frühstart-Rente?
Die Frühstart-Rente ist ein staatlich finanziertes Vorsorgedepot für Kinder. Der Staat zahlt ab dem 6. bis zum 18. Geburtstag monatlich 10 Euro ein, das sind 120 Euro im Jahr und über zwölf Jahre genau 1.440 Euro pro Kind. Gefördert werden nur Kinder ab dem Geburtsjahrgang 2020, die im Jahr 2026 sechs Jahre alt werden, danach jedes Jahr der neue Jahrgang der Sechsjährigen.
Das Geld landet in einem zertifizierten Standarddepot-Vertrag auf den Namen des Kindes und ist bis zur Rente gesperrt, grundsätzlich bis zum 65. Lebensjahr. Eltern, Großeltern oder Dritte dürfen zusätzlich bis zu 6.840 Euro pro Jahr einzahlen. Genau an diesen Eckpunkten setzt die Kritik an. Wer tiefer in die Frühstart-Rente für Kinder einsteigen möchte, findet dort die vollständige Mechanik.
Warum gilt die Frühstart-Rente mit 1.440 Euro vielen als zu gering?
Weil 1.440 Euro auch mit Zinseszins keine Rentenlücke schließen, da sind sich Kritiker aus mehreren Lagern einig. Die AfD-Fraktion erklärte im Finanzausschuss, der Betrag reiche selbst mit Verzinsung nicht als ernsthafter Beitrag zur Altersvorsorge, und forderte ein „Junior-Spardepot“ mit 100 Euro pro Monat. Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Auch aus der Branche kommt dieser Einwand. Guido Bader, Chef der Stuttgarter Versicherung, nannte die Förderung zu gering. Finanztip bringt es auf den Punkt: Das Staatsgeld ist ein Startkapital, das allein keine Rentenlücke schließt. Wer also auf 53.000 Euro im Alter hofft, muss selbst kräftig nachlegen.
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Die offizielle Beispielrechnung der Bundesregierung geht von 7 Prozent jährlicher Wertsteigerung aus. Daraus werden aus den 1.440 Euro bis zur Volljährigkeit rund 2.200 Euro und bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro. Das klingt ordentlich, ist aber nominal und über rund 60 Jahre gerechnet.
Schau dir an, wie stark die Renditeannahme das Ergebnis verändert. Die folgenden Zahlen sind eigene Nachrechnungen, jeweils vor Kosten und Steuern, nominal, mit Einzahlung von 6 bis 18 und danach ohne weitere Beiträge.
| Jährliche Rendite | Wert mit 18 | Wert mit 65 | Wert mit 67 |
|---|---|---|---|
| 5 Prozent | rund 1.980 Euro | rund 19.600 Euro | rund 21.600 Euro |
| 6 Prozent | rund 2.110 Euro | rund 32.700 Euro | rund 36.700 Euro |
| 7 Prozent | rund 2.260 Euro | rund 54.300 Euro | rund 62.200 Euro |
Schon bei 5 statt 7 Prozent Rendite landest du mit 65 nur bei rund 19.600 statt 54.300 Euro. Die Spanne ist riesig, und keine dieser Zahlen ist garantiert. Das macht klar, warum der Vorwurf „zu wenig“ nicht leicht vom Tisch zu wischen ist.
Warum nennt ifo-Präsident Clemens Fuest die Frühstart-Rente einen Irrweg?
Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, bezeichnete die Frühstart-Rente am 30.09.2025 als Irrweg und lieferte gleich mehrere Argumente dafür. Seine Kritik ist die grundsätzlichste von allen, weil sie das Programm als Ganzes infrage stellt.
Rechne einmal mit, was Fuest konkret bemängelt:
- Neue Bürokratie für ein vergleichsweise kleines Fördervolumen pro Kind
- Kosten von mehr als 1 Milliarde Euro pro Jahr bei voller Ausbaustufe, die seiner Meinung nach besser anders eingesetzt werden könnten
- Gießkannen-Prinzip, weil auch wohlhabende Familien die Förderung bekommen
- Das falsche Signal, dass Sparen etwas mit Staatsgeld zu tun haben müsse
- Die Gefahr hoher Gebühren wie einst bei Riester
Zur Einordnung der Kosten: Die Regierung selbst beziffert die Haushaltskosten auf 198 Millionen Euro im Jahr 2027, steigend auf 411 Millionen Euro im Jahr 2030. In der vollen Ausbaustufe, wenn alle Jahrgänge von 6 bis 18 drin sind, landet man rechnerisch über der Milliarde. Fuests Gießkannen-Vorwurf trifft einen echten Punkt: Es gibt keine Einkommensgrenze der Eltern, jedes anspruchsberechtigte Kind bekommt dieselben 10 Euro, egal ob die Familie knapp bei Kasse ist oder gut verdient.
Wie stark schmälern Kosten von 1 Prozent die Rendite der Frühstart-Rente?
Sehr stark, und genau davor warnen die Verbraucherzentralen trotz des eingebauten Kostendeckels. Für den Standarddepot-Vertrag gilt ein Deckel aus dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz, laut Verbraucherzentrale und SPD-Ausschussangaben liegen die Effektivkosten (also alle Kosten zusammengerechnet auf einen Jahreswert) bei höchstens 1 Prozent pro Jahr. Das klingt niedrig, wirkt über Jahrzehnte aber brutal.
Die Verbraucherzentralen haben das durchgerechnet und kommen bei 7,5 Prozent Rendite vor Kosten auf deutlich auseinanderlaufende Ergebnisse. Die Ökonominnen des Leibniz-Instituts SAFE rechneten mit 7 Prozent und kamen zu einem ähnlichen Bild.
| Rechnung | Endwert bei niedrigen Kosten | Endwert bei 1 Prozent Kosten |
|---|---|---|
| Verbraucherzentrale (7,5 Prozent, mit 68) | rund 76.400 Euro (bei 0,2 Prozent) | rund 48.600 Euro |
| SAFE (7 Prozent, bis 67) | rund 58.200 Euro (bei 0,1 Prozent) | rund 36.300 Euro |
In der Rechnung der Verbraucherzentrale kostet dich 1 Prozent Gebühr statt 0,2 Prozent fast 28.000 Euro, mehr als ein Drittel des Endwertes. Bei SAFE verschwinden rund 22.000 Euro. Der Deckel von 1 Prozent ist also kein Freibrief, sondern eher die Obergrenze des gerade noch Erträglichen. Je günstiger der Anbieter, desto mehr bleibt deinem Kind.
Immerhin: Für den geförderten Vertragsteil aus Frühstart-Rente, Startkapital und deren Erträgen dürfen nach der Fassung des Finanzausschusses bis zum Beginn der Auszahlungsphase keine Abschluss- und Vertriebskosten erhoben werden. Auch ein Anbieterwechsel ist kostenfrei. Für freiwillige Eigenbeiträge gelten dagegen die normalen Regeln, dort sind solche Kosten weiter möglich. Die Deutsche Kreditwirtschaft und der Fondsverband BVI haben sich übrigens genau gegen dieses Kostenverbot gewehrt.
Der Unterschied zwischen 0,2 und 1 Prozent Jahreskosten kann über die gesamte Laufzeit mehr als 27.000 Euro ausmachen. Vergleiche Anbieter deshalb sorgfältig, bevor du einen Vertrag unterschreibst.
Macht die Frühstart-Rente die soziale Ungleichheit größer statt kleiner?
Das befürchten vor allem der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie Linke und Grüne, und ihr Hauptargument ist die hohe Zuzahlungsgrenze. Eltern, Großeltern oder Dritte dürfen zusätzlich bis zu 6.840 Euro pro Kalenderjahr einzahlen, deren Erträge in der Ansparphase steuerfrei bleiben.
Der vzbv hält diese Grenze für zu hoch. In der Anhörung nannte die vzbv-Vertreterin sie laut Linke eine falsche Entscheidung, deren Steuervorteile der Allgemeinheit entzogen würden. Die Linke formuliert es zugespitzt: Der Staat subventioniere Ungleichheit, weil 120 Euro staatlicher Förderung pro Jahr bis zu 6.840 Euro steuerbegünstigter Zuzahlung gegenüberstehen.
Die Logik dahinter ist einfach: Wer es sich leisten kann, jedes Jahr Tausende Euro für sein Kind zurückzulegen, profitiert am meisten von der steuerfreien Ansparphase. Familien mit knappem Budget bekommen nur die 10 Euro vom Staat. Linke und Grüne kritisieren deshalb, die Depots spiegelten am Ende die Finanzkraft von Eltern und Großeltern wider. Die Grünen nennen das Modell eine „Krücke“.
Das Gegenargument: Niemand ist gezwungen, die 6.840 Euro auszuschöpfen. Die staatlichen 10 Euro bekommt jedes anspruchsberechtigte Kind gleich, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Wer gar nichts zuzahlen kann, verliert dadurch keinen Cent der staatlichen Förderung. Ob das die Ungleichheit verschärft oder einfach bestehende Unterschiede abbildet, bleibt eine politische Bewertungsfrage.
120 Euro Staatsgeld im Jahr stehen bis zu 6.840 Euro steuerbegünstigter Zuzahlung gegenüber. Wer das als Gleichmacher verkauft, rechnet sich etwas schön.
Uwe Lätsch, finanda
Warum sorgt der Stichtag 2020 bei der Frühstart-Rente für Ärger?
Weil alle vor dem Jahr 2020 geborenen Kinder leer ausgehen, und das völlig ohne Übergangsregel. Ein Kind, das am 31.12.2019 geboren ist, bekommt nichts. Ein Kind vom 01.01.2020 bekommt die vollen 1.440 Euro. Ein Tag Unterschied, 1.440 Euro Differenz.
Der Grünen-Politiker Stefan Schmidt kritisiert diesen Ausschluss als ungerecht. Vermittlerverbände wie Votum warnen laut Fachpresse vor einer Benachteiligung älterer Kinder. Ein Entschließungsantrag der Grünen, alle 6- bis 18-Jährigen ab Inkrafttreten einzubeziehen, wurde am 16.10.2026 abgelehnt. Die Regierung begründet den Stichtag damit, dass alle geförderten Kinder einheitlich zwölf Jahre lang Geld erhalten sollen.
Nach aktuellem Stand ist die Stichtagsregel nicht verfassungswidrig. Eine konkrete verfassungsrechtliche Debatte, ein Gutachten oder eine Klage gibt es bisher nicht (Stand 19.10.2026), und der Normenkontrollrat erhob keine Einwände. Stichtags- und Jahrgangsregeln sind im Sozial- und Steuerrecht verbreitet, und das Bundesverfassungsgericht räumt dem Gesetzgeber dabei Spielraum ein, wenn es einen sachlichen Grund gibt. Die verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Frühstart-Rente sind deshalb bisher politischer Natur, kein juristisches Verfahren.
Für ältere Kinder gibt es trotzdem Optionen. Eltern dürfen einen Standarddepot-Vertrag abschließen, allerdings nur mit eigenen Einzahlungen und ohne Staatsgeld. Finanztip rät für diese Fälle eher zu einem normalen Juniordepot, weil das Geld dort nicht gesperrt ist und der Sparer-Pauschbetrag des Kindes genutzt werden kann.
Kinder, die vor dem Jahr 2020 geboren wurden, erhalten keine staatlichen 10 Euro. Ein normales Juniordepot ist für sie oft die bessere Wahl, weil das Geld nicht bis zur Rente gesperrt ist und der Sparer-Pauschbetrag des Kindes (1.000 Euro pro Jahr) genutzt werden kann.
Was kritisieren Fachleute an der Sammelanlage der Frühstart-Rente?
Das größte Bürokratie-Problem ist, dass es keinen automatischen Übertrag des Geldes mit 18 gibt. Wer nichts tut, riskiert am Ende sogar den Verfall. Diesen Punkt bemängeln Grüne, die SAFE-Ökonominnen und der Bundesrat gemeinsam.
So läuft es, wenn Eltern keinen Vertrag abschließen: Der Bund legt die 10 Euro pro Monat kollektiv am Kapitalmarkt an, im Sondervermögen „Frühstartrente“, das zum 01.01.2028 errichtet und von der Bundesbank verwaltet wird. Dieses Geld bleibt zunächst Bundesvermögen, das Kind hat keinen eigenen Depotauszug. Die angesparten Beträge plus Wertentwicklung können als Startkapital bis zum 35. Geburtstag in einen eigenen zertifizierten Vertrag abgerufen werden. Danach verfällt der Anspruch und das Geld fließt zurück in den Bundeshaushalt.
Genau hier liegt die Kritik: Wer sich nie kümmert, verliert das Startkapital mit 35. Die AfD spricht von einem Missverhältnis zwischen Verwaltungsaufwand und Förderwirkung, die Linke von „privater Kundenakquise auf Staatskosten“. Ein öffentlich verwaltetes Standarddepot, das den Übertrag einfacher machen könnte, hat das Bundesfinanzministerium zwar „zeitnah“ angekündigt, war Stand 14.10.2026 aber nicht verfügbar.
Dazu kommt die reine Aktienstrategie der Sammelanlage. Nach der Fassung des Finanzausschusses wird das Geld ausschließlich in breit gestreute globale Aktien oder Aktienfonds angelegt, ohne Garantie und ohne Verlustausgleich durch den Bund. Die Linke lehnt das ab, weil ein Schutz vor Kurseinbrüchen kurz vor der Auszahlung fehle. Grüne und Linke vermissen außerdem Nachhaltigkeit als Anlagegrundsatz.
Ist Finanzbildung über die Anbieter der Frühstart-Rente sinnvoll?
Daran gibt es erhebliche Zweifel, denn die Information über die Geldanlage läuft weitgehend über die Anbieter selbst. Verbraucherzentralen, Linke und Grüne kritisieren das deutlich.
Der schärfste Vergleich kommt von den Grünen: Sie verglichen das Modell mit Süßwarenherstellern, die Ernährungsbildung machen. Die Verbraucherzentralen bringen es nüchterner auf den Punkt: Ein Kapitalmarktzugang sei noch keine Finanzbildung. Die AfD argumentierte im Ausschuss sogar, Finanzbildung sei Ländersache, eine echte Kompetenzklage wurde daraus aber nicht angekündigt.
Der Kern des Vorwurfs: Wer ein Produkt verkauft, ist nicht die neutralste Quelle, um über dessen Sinn und Risiken aufzuklären. Für dich als Elternteil heißt das, dass du dich nicht allein auf Anbieterbroschüren verlassen solltest. Ein ehrlicher Rendite- und Kostenvergleich lohnt sich, bevor du einen Vertrag unterschreibst.
Für wen lohnt sich die Frühstart-Rente trotz aller Kritik?
Die Frühstart-Rente ist ein staatliches Startkapital mit klaren Stärken und ebenso klaren Grenzen, und beides solltest du kennen, bevor du entscheidest.
Darauf kommt es an:
- Jedes anspruchsberechtigte Kind bekommt 1.440 Euro geschenkt, ohne eigenes Zutun und ohne Einkommensgrenze der Eltern
- Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, keine Abgeltungsteuer und keine Vorabpauschale
- Auf den geförderten Vertragsteil dürfen bis zur Auszahlungsphase keine Abschluss- und Vertriebskosten anfallen, ein Anbieterwechsel ist kostenfrei
- Das Vermögen ist nicht pfändbar, nicht beleihbar und nicht veräußerbar
- Stirbt das Kind vor dem 18. Geburtstag, ist nach der Ausschussfassung alles vererbbar, der Staat verzichtet auf die Rückforderung
Kalkuliere diese Schwächen offen ein:
- 1.440 Euro allein schließen keine Rentenlücke, das Staatsgeld ist nur ein Anschub
- Das Geld ist bis zur Rente gesperrt, grundsätzlich bis zum 65. Lebensjahr
- Kosten von bis zu 1 Prozent können über Jahrzehnte mehr als ein Drittel des Endwerts kosten
- Alle Beispielwerte sind nominal: Bei 2 Prozent Inflation entsprechen 54.300 Euro im Jahr 2085 nur noch rund 17.000 Euro heutiger Kaufkraft
- Ohne eigenes Handeln droht bei der kollektiven Anlage der Verfall des Startkapitals mit 35
Mitnehmen solltest du die Förderung auf jeden Fall, denn 1.440 Euro geschenktes Geld schlägt kein Geld. Entscheidend ist aber, was du daraus machst. Die Regierung rechnet vor, dass aus zusätzlich 50 Euro im Monat über 300.000 Euro werden können, wieder bei 7 Prozent und nominal. Wer das Depot als reines Staatsgeschenk behandelt und sonst nichts tut, bekommt am Ende ein nettes, aber kleines Plus. Wer früh und günstig zuzahlt, baut echtes Vermögen auf.
Achte deshalb auf einen Anbieter mit möglichst niedrigen Kosten, denn der Unterschied zwischen 0,2 und 1 Prozent entscheidet über Zehntausende Euro. Vergleiche vor dem Abschluss die Konditionen, etwa bei der Frühstart-Rente bei Trade Republic oder der Frühstart-Rente bei Scalable Capital.
Häufige Fragen zur Kritik an der Frühstart-Rente
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und auf den Punkt.