Volksbanken und Raiffeisenbanken (VR) bereiten zum 1. Januar 2027 ein gefördertes Altersvorsorgedepot vor. Das Modell: Anlegen am Kapitalmarkt über Fonds und ETFs, kombiniert mit persönlicher Beratung in der Filiale vor Ort.
Konkrete Konditionen für 2027 haben die VR-Banken noch nicht veröffentlicht. Was bereits gilt, ergibt sich aus dem Gesetz. Was die VR-Banken preislich und produktseitig genau anbieten, entscheidet sich erst näher am Start.
Bieten die Volksbanken ein gefördertes Altersvorsorgedepot an?
Ja. Als Kunde kannst du damit am Kapitalmarkt in Fonds und ETFs ansparen, begleitet von Beratung in deiner Filiale. Das Altersvorsorgedepot ist der gesetzliche Nachfolger der Riester-Rente, geschaffen durch das Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundestag beschloss die Reform am 27. März 2026, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu.
Wichtig zur Einordnung: Neue Verträge nach altem Riester-Modell kannst du ab 2027 nicht mehr abschließen. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter und werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt. Ein Wechsel aus einem Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot ist möglich. Wer verstehen will, was das Altersvorsorgedepot überhaupt ist, findet bei den Grundlagen einen guten Einstieg.
Leg die beiden Seiten mal direkt nebeneinander: was schon feststeht und was noch aussteht.
| Stand bei den VR-Banken | |
|---|---|
| Angebot geplant? | Ja, gefördertes Altersvorsorgedepot in Vorbereitung |
| Start | 1. Januar 2027 (gesetzlicher Starttermin) |
| Anlage | Fonds und ETFs |
| Beratung | Persönlich in der Filiale vor Ort |
| Konkrete Kosten | Für 2027 noch nicht veröffentlicht |
| Gesetzlicher Kostendeckel | Max. 1,0 Prozent pro Jahr (Standarddepot) |
Die spannendste Zahl, die genaue Gebührenhöhe, fehlt also noch. Deshalb lohnt es sich, zuerst zu schauen, was die VR-Banken produktseitig planen, und danach, was der Staat unabhängig vom Anbieter dazugibt.
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Welche Produktvarianten planen die VR-Banken für das Altersvorsorgedepot?
Die VR-Banken setzen auf ein Altersvorsorgedepot mit Fonds und ETFs plus Filialberatung. Das Gesetz sieht generell zwei Grundrichtungen vor: eine Variante mit Beitragsgarantie und eine renditeorientierte Depotvariante ohne Garantie. Welche dieser Ausprägungen die VR-Banken konkret anbieten und wie sie sie kombinieren, ist offiziell noch nicht final veröffentlicht.
Was die VR-Banken klar hervorheben, ist die Kombination aus Kapitalmarktanlage und persönlicher Beratung. Das unterscheidet sie von reinen Online-Brokern, bei denen du alles selbst entscheidest. Schau dir an, wie sich die beiden gesetzlichen Grundvarianten unterscheiden.
| Variante | Passend für | |
|---|---|---|
| Mit Garantie | Beitragsgarantie möglich, dafür tendenziell weniger Renditechance | Sicherheitsorientierte Sparer |
| Ohne Garantie | Renditeorientiert, volle Kapitalmarktchance und -risiko | Sparer mit langem Anlagehorizont |
Ein paar Punkte, die du bei der VR-Variante einordnen solltest:
- Anlage in Fonds und ETFs statt in einem klassischen Versicherungsmantel
- Beratung in der Filiale, hilfreich wenn du nicht alles allein entscheiden willst
- Genossenschaftliche Struktur, jede VR-Bank ist rechtlich eigenständig
- Konkrete Fondsauswahl und Konditionen für 2027 noch offen
Auch wenn die VR-Banken ihre genauen Gebühren für 2027 noch nicht genannt haben: Für das staatlich anerkannte Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt. Effektivkosten (also alle Kosten zusammengerechnet, die deine Rendite schmälern) dürfen beim geförderten Standardprodukt diesen Wert nicht überschreiten.
Was kostet das Altersvorsorgedepot bei der Volksbank?
Die genauen Kosten für 2027 haben die VR-Banken noch nicht veröffentlicht. Das ist beim aktuellen Stand die einzig belastbare Antwort. Fest steht nur der gesetzliche Rahmen: Beim geförderten Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten auf höchstens 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt, und Abschluss- sowie Vertriebskosten müssen über die gesamte Ansparphase verteilt werden, nicht in den ersten Jahren abgezogen.
Warum das so wichtig ist, zeigt der Blick auf lange Laufzeiten: Schon ein Kostenunterschied von wenigen Zehntel Prozent schmälert das Endkapital über Jahrzehnte erheblich. Es lohnt sich also, die VR-Konditionen zum Start genau mit anderen Anbietern zu vergleichen. Wer sich vorab in die Kostenlogik des Altersvorsorgedepots einliest, erkennt später schnell, ob ein Angebot fair ist.
Rechne einmal mit, welche Kostenbausteine bei so einem Depot generell anfallen können und was der Markt bei günstigen Brokern heute schon zeigt.
| Kostenbaustein | Gesetzlicher Rahmen / Marktbild | VR-Banken 2027 |
|---|---|---|
| Effektivkosten Standarddepot | Max. 1,0 Prozent pro Jahr | Noch nicht veröffentlicht |
| Depotgebühr | Bei vielen Brokern 0 Euro | Noch offen |
| Laufende ETF-Kosten (TER) | Rund 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr | Abhängig von der Fondsauswahl |
| Sparplanausführung | Oft kostenlos, teils bis rund 1,50 Euro | Noch offen |
Wo ordnet sich ein VR-Depot gegenüber einem freien ETF-Sparplan ein? Das ist eine berechtigte Frage, die viele stellen:
- Der Vorteil des Altersvorsorgedepots sind die staatlichen Zulagen, die es beim freien ETF-Sparplan nicht gibt
- Dafür bist du beim Altersvorsorgedepot bei der Auszahlung an gesetzliche Regeln gebunden
- Ein freies Depot bleibt flexibler, ein gefördertes Depot bringt Zulagen und Steuervorteile
Wer abwägen will, ob der geförderte Weg oder ein freier ETF-Sparplan besser passt, sollte Förderung und Flexibilität gegeneinander stellen.
Wie viel Förderung bekommst du beim Altersvorsorgedepot?
Die Förderung hängt nicht von der Volksbank ab, sondern vom Gesetz. Sie ist bei jedem Anbieter gleich hoch. Der Staat gibt eine Grundzulage von 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr, danach 25 Prozent auf den weiteren Eigenbeitrag bis 1.800 Euro. Die maximale Grundzulage liegt damit bei 540 Euro pro Jahr.
Schau dir die Förderstufen genau an, damit du siehst, ab wann sich Aufstocken lohnt.
| Eigenbeitrag pro Jahr | Zulagensatz | Grundzulage |
|---|---|---|
| Erste 360 Euro | 50 Prozent | 180 Euro |
| 360,01 bis 1.800 Euro | 25 Prozent | bis 360 Euro |
| 1.800 Euro (Maximum) | – | 540 Euro gesamt |
Dazu kommen weitere Bausteine, die je nach Lebenssituation richtig ins Gewicht fallen:
- Kinderzulage: 100 Prozent auf bis zu 300 Euro Eigenbeitrag je Kind und Jahr, also maximal 300 Euro pro Kind, voll erreichbar schon ab rund 25 Euro Eigenbeitrag im Monat je Kind
- Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag
- Mittelbare Förderung: nicht erwerbstätige Ehepartner erhalten mit eigenem Vertrag und kleinem Mindesteigenbeitrag bis zu 175 Euro Grundzulage
- Selbstständige: erhalten mit der Reform erstmals Zugang zur Förderung
Rechenbeispiel: Eine Mutter mit zwei Kindern zahlt bei ihrer VR-Bank den geförderten Höchstbeitrag von 1.800 Euro pro Jahr ins Altersvorsorgedepot ein. Sie erhält 540 Euro Grundzulage plus 2 × 300 Euro Kinderzulage = 600 Euro. Macht insgesamt 1.140 Euro Zulagen pro Jahr. Auf ihren Eigenbeitrag von 1.800 Euro fließen also 1.140 Euro vom Staat obendrauf. Das Kapital, das für sie arbeitet, liegt im ersten Jahr bei 2.940 Euro.
Die Zulagen sind bei jedem Anbieter gleich. Bei der VR-Bank entscheidet am Ende die Beratungsqualität, und der Preis, den sie 2027 nennt.
Uwe Lätsch, finanda
Für wen passt das VR-Altersvorsorgedepot,?
Das VR-Angebot passt vor allem zu Sparern, die Wert auf persönliche Beratung in der Filiale legen und bereits Kunde bei ihrer Volksbank sind. Wer lieber alles selbst online steuert und maximal auf niedrige Kosten achtet, findet bei reinen Brokern womöglich günstigere Wege. Das gilt zumindest so lange, bis die VR-Banken ihre Konditionen offengelegt haben.
Ein gefördertes Depot ergibt generell in diesen Konstellationen Sinn:
- Familien mit Kindern wegen der hohen Kinderzulagen
- Junge Sparer unter 25 wegen des einmaligen Berufseinsteigerbonus
- Selbstständige, die erstmals Zugang zur Förderung bekommen
- Menschen mit langem Anlagehorizont, die den Kapitalmarkt nutzen wollen
Gut zu wissen: Du kannst parallel mehr als ein Depot führen, zum Beispiel eines bei der VR-Bank und eines woanders. Ob sich das für deine Situation rechnet, hängt stark davon ab, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt.
Neben einem bestehenden Altvertrag (z. B. Riester) sind bis zu zwei neue Altersvorsorgeverträge zulässig. Der einzahlbare Jahresbetrag steigt dann auf bis zu 13.680 Euro. Die staatliche Zulagenförderung bleibt aber pro Person auf den geförderten Höchstbeitrag begrenzt, egal wie viele Verträge du führst.
Was solltest du jetzt tun, bevor die VR-Banken ihre Konditionen veröffentlichen?
Das Wichtigste gerade: nichts überstürzen und den Stand kennen. Das Altersvorsorgedepot ist erst ab dem 1. Januar 2027 abschließbar, und die VR-Banken haben ihre genauen Konditionen noch nicht veröffentlicht. Ein voreiliger Abschluss ist also gar nicht möglich. Dir bleibt Zeit für eine gründliche Vorbereitung.
Mit diesen Schritten gehst du gut vorbereitet in die Beratung:
- Prüfe, ob du förderberechtigt bist und wie viele Kinderzulagen infrage kommen
- Behalte einen bestehenden Riester-Vertrag im Blick, ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist möglich, muss aber nicht sinnvoll sein
- Warte die konkreten VR-Konditionen für 2027 ab und vergleiche sie mit anderen Anbietern
- Achte beim Vergleich besonders auf die Effektivkosten, der Deckel liegt bei 1,0 Prozent
- Beschäftige dich früh mit der Auszahlungsphase und deren Steuerregeln
Ein Punkt, den viele unterschätzen: In der Auszahlphase unterliegen Leistungen aus geförderten Beiträgen voll der nachgelagerten Besteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz. Wer sich früh mit der Auszahlungsphase des Altersvorsorgedepots beschäftigt, plant realistischer und vermeidet böse Überraschungen im Rentenalter.
Häufige Fragen
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und ohne Verkaufsdruck.