Das Altersvorsorgedepot gibt es in zwei Grundvarianten: eine mit Beitragsgarantie und eine renditeorientierte Depotvariante ohne jede Garantie. Genau an dieser Stelle fällt die wichtigste Entscheidung, denn sie bestimmt, wie viel deines Geldes am Aktienmarkt arbeitet und wie viel in Sicherheit gebunden bleibt.
Ab dem 1. Januar 2027 kannst du das Produkt abschließen. Bis zu 1.800 Euro Eigenbeitrag pro Jahr sind zulagengefördet, insgesamt sparst du bis zu 6.840 Euro jährlich. Wie viel davon du in Aktien und ETFs steckst und wie viel du absichern willst, hängt vor allem an zwei Fragen: wie lange dein Geld noch liegt und wie ruhig du Kursschwankungen aushältst.
Was bedeutet Risikoklasse beim Altersvorsorgedepot für dich?
Die Risikoklasse beschreibt, wie stark dein Kapital Kursschwankungen ausgesetzt ist und wie viel davon in renditestarke, aber schwankende Anlagen wie Aktien und ETFs fließt. Je höher die Risikoklasse, desto größer die Renditechance und desto größer die möglichen zwischenzeitlichen Verluste.
Beim Altersvorsorgedepot wird ausschließlich in Aktien, Fonds und ETFs angespart. Der entscheidende Hebel ist die Garantie. In der Variante mit Beitragsgarantie sichert der Anbieter dir zu, dass am Ende mindestens ein bestimmter Teil deiner eingezahlten Beiträge erhalten bleibt. Dafür muss ein Teil des Geldes sicherheitsorientiert angelegt werden und arbeitet nicht voll am Aktienmarkt. Die renditeorientierte Depotvariante verzichtet auf diese Garantie und lässt dein gesamtes Kapital in den Markt fließen.
Deine Risikoklasse ergibt sich also aus zwei Bausteinen: der gewählten Variante und der konkreten Fondsauswahl innerhalb des Depots. Ein Weltaktien-ETF hat ein völlig anderes Risikoprofil als eine Mischung aus Anleihen und Aktien. Damit ist klar, worüber du beim Abschluss wirklich entscheidest.
Welche Risikoklassen gibt es im Altersvorsorgedepot?
Grob lassen sich drei Profile unterscheiden, je nachdem wie hoch der Aktienanteil ausfällt und ob eine Garantie mitläuft. Vom defensiven Sparer, der Schwankungen kaum erträgt, bis zum offensiven Anleger, der auf maximale Rendite setzt, gibt es für jeden Typ eine sinnvolle Aufteilung.
Die Finanda App verbindet Konten, Depot und Versicherungen und zeigt dir Budget, Sparziele und Verträge in Echtzeit.
Die Zuordnung ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern eine praktische Orientierung. Anbieter benennen ihre Portfolios unterschiedlich, doch die Logik bleibt gleich: Mehr Aktien bedeuten mehr Chance und mehr Schwankung. Leg die drei Profile direkt nebeneinander.
| Aktienanteil | Garantie | Wer passt dazu | |
|---|---|---|---|
| Defensiv | rund 30 bis 50 Prozent | meist mit Beitragsgarantie | kurze Restlaufzeit oder sehr sicherheitsbedürftig |
| Ausgewogen | rund 60 bis 80 Prozent | teils mit Teilgarantie | mittlere Laufzeit und moderate Schwankungstoleranz |
| Offensiv | bis 100 Prozent | ohne Garantie | lange Laufzeit und hohe Nervenstärke |
Wichtig ist, dass die Beitragsgarantie beim Altersvorsorgedepot nicht verpflichtend ist. Anders als bei der alten Riester-Rente, wo die volle Beitragsgarantie zwingend war, kannst du dich hier bewusst für die renditeorientierte Variante ohne Garantie entscheiden. Das öffnet den vollen Aktienanteil und damit die höchste Renditechance.
Warum kostet dich eine Garantie im Altersvorsorgedepot Rendite?
Eine Garantie kostet Rendite, weil der Anbieter einen Teil deines Kapitals sicher anlegen muss, damit er dir am Ende die zugesagten Beiträge garantieren kann. Dieser sichere Teil bringt kaum Ertrag und bremst das Wachstum des gesamten Depots.
Je länger deine Laufzeit, desto teurer wird dir diese Absicherung. Über 30 oder 40 Jahre hätten Aktien historisch fast immer deutlich mehr gebracht als ein garantierter Sicherheitsbaustein. Wer jung ist und Jahrzehnte Zeit hat, verschenkt mit einer vollen Garantie oft einen erheblichen Teil des Endkapitals. Rechne einmal mit, was sich über drei Jahrzehnte daraus ergibt.
Angenommen, du zahlst 30 Jahre lang jährlich 1.800 Euro ein, also insgesamt 54.000 Euro Eigenbeitrag.
| Angenommene Rendite pro Jahr | Endkapital nach 30 Jahren |
|---|---|
| 2 Prozent (stark abgesichert) | rund 74.000 Euro |
| 5 Prozent (ausgewogen) | rund 125.000 Euro |
| 7 Prozent (offensiv) | rund 182.000 Euro |
Die Zahlen sind rein illustrativ und keine Renditezusage, denn Aktienmärkte schwanken und vergangene Ergebnisse sagen nichts über die Zukunft. Der Unterschied zwischen einem stark abgesicherten und einem offensiven Depot geht über lange Zeiträume in die Zehntausende. Zulagen sind in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten und würden das Ergebnis in allen drei Zeilen zusätzlich anheben.
Der Unterschied zwischen 2 und 7 Prozent Rendite klingt klein, summiert sich aber über 30 Jahre auf mehr als 100.000 Euro Unterschied beim Endkapital. Je früher du startest und je höher dein Aktienanteil, desto stärker arbeitet der Zinseszinseffekt für dich.
Welche Risikoklasse passt zu deinem Alter beim Altersvorsorgedepot?
Als Faustregel gilt: Je jünger du bist und je länger dein Geld bis zur Auszahlung liegt, desto höher darf dein Aktienanteil sein. Die Auszahlphase beginnt frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres und spätestens mit dem 70. Geburtstag, daran orientiert sich dein Zeithorizont.
Ein 30-Jähriger hat 35 Jahre Zeit, in denen sich ein zwischenzeitlicher Kurseinbruch problemlos aussitzen lässt. Wer dagegen mit 58 startet, sollte Schwankungen ernster nehmen, weil weniger Zeit zur Erholung bleibt. Viele Anleger fahren das Risiko in den letzten Jahren vor Rentenbeginn bewusst herunter, um kurz vor der Auszahlung keinen Crash zu erwischen. Diese Orientierung nach Alter hilft bei der Grundausrichtung:
- Unter 40 Jahren: langer Horizont, hoher Aktienanteil bis 100 Prozent gut vertretbar, Garantie eher verzichtbar
- 40 bis 55 Jahre: ausgewogenes Profil mit hohem, aber nicht maximalem Aktienanteil
- Ab 55 Jahren: Risiko schrittweise senken, Sicherheitsbausteine gewinnen an Gewicht
- Wenige Jahre vor Rentenbeginn: Schwankungen deutlich reduzieren, um das Erreichte nicht zu gefährden
Der Berufseinsteigerbonus von einmalig 200 Euro belohnt einen Abschluss vor dem 25. Geburtstag. Gerade für junge Sparer spricht damit vieles für einen früh gestarteten, offensiv ausgerichteten Vertrag, weil der Zinseszins über Jahrzehnte am stärksten wirkt.
Wie beeinflusst deine Schwankungstoleranz die Wahl der Risikoklasse?
Deine Schwankungstoleranz entscheidet mit darüber, ob du in einem Crash ruhig bleibst oder panisch verkaufst. Das ist keine Nebensache, denn wer in einer Kursdelle aussteigt, macht Buchverluste zu echten Verlusten und verpasst die Erholung.
Ein Depot mit 100 Prozent Aktien kann in schlechten Jahren zwischenzeitlich um 30 bis 50 Prozent im Wert fallen. Wenn dich der Gedanke, dein Erspartes vorübergehend halbiert zu sehen, nachts wachhält, ist die offensive Variante trotz hoher Renditechance vielleicht nicht die richtige. Ein ausgewogenes Profil schwankt weniger stark und lässt sich mit ruhigerem Gewissen halten. Ehrlich zu dir selbst sein lohnt sich hier mehr als jede Renditerechnung, denn die beste Strategie ist die, die du auch in einem Börsensturm durchhältst.
Wer sein Depot beim ersten Kurseinbruch leer räumt, hat die falsche Risikoklasse gewählt. Die Entscheidung muss zum Schlaf passen, nicht nur zur Renditeerwartung.
Uwe Lätsch, finanda
Wie viel Rendite frisst die Kostenquote in deinem Altersvorsorgedepot?
Beim staatlich anerkannten Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten (also alle laufenden Kosten zusammengerechnet auf einen Jahreswert) auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt. Das schützt dich vor teuren Produkten, doch die Bandbreite darunter ist groß und wirkt sich über Jahrzehnte massiv aufs Endkapital aus.
Günstige ETFs haben laufende Kosten von rund 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Viele Broker verlangen keine Depotgebühr, Sparplanausführungen sind oft kostenlos, bei einzelnen Anbietern kosten sie bis rund 1,50 Euro je Ausführung. Der Abstand zwischen einem schlanken ETF-Depot und einem Produkt am oberen Kostenlimit entscheidet über Tausende Euro. Schau dir an, wie stark ein Prozent Kosten dein Endkapital frisst.
| Jährliche Kosten | Nettorendite | Wirkung aufs Endkapital |
|---|---|---|
| 0,2 Prozent | rund 5,8 Prozent | höchstes Endkapital |
| 0,5 Prozent | rund 5,5 Prozent | sichtbar geringer |
| 1,0 Prozent | rund 5,0 Prozent | deutlich weniger |
Deshalb gehört die Kostenfrage untrennbar zur Wahl der Risikoklasse, denn eine offensive Strategie mit teurem Mantel verschenkt einen Teil ihres Vorteils wieder. Welche Posten im Detail anfallen, zeigt der Ratgeber zu den Kosten beim Altersvorsorgedepot.
Das Standard-Altersvorsorgedepot begrenzt die Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr. Günstige ETF-Depots liegen bei 0,1 bis 0,3 Prozent. Über 30 Jahre macht dieser Unterschied bei 1.800 Euro Jahresbeitrag und 6 Prozent Bruttorendite mehr als 20.000 Euro aus.
Ändert die staatliche Förderung die passende Risikoklasse für dich?
Die Förderung wirkt bei jeder Risikoklasse gleich, denn sie hängt an deinem Eigenbeitrag und nicht an der Anlagestrategie. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Prozent Grundzulage, auf den Teil von 360,01 bis 1.800 Euro dann 25 Prozent. Bei vollem Eigenbeitrag von 1.800 Euro ergibt das die maximale Grundzulage von 540 Euro.
Diese Zulage fließt in dein Depot und wird dort mitangelegt. Bei einer offensiven Strategie arbeitet also auch die Zulage voll am Aktienmarkt mit, bei einer garantiegesicherten Variante wird ein Teil davon abgesichert. Die Förderung verstärkt damit den Renditeeffekt deiner gewählten Risikoklasse, ohne die Wahl selbst zu beeinflussen. Sieh dir an, was bei unterschiedlichen Eigenbeiträgen zusammenkommt.
| Eigenbeitrag pro Jahr | Zulage auf erste 360 Euro | Zulage auf Restbetrag | Grundzulage gesamt |
|---|---|---|---|
| 360 Euro | 180 Euro | 0 Euro | 180 Euro |
| 1.000 Euro | 180 Euro | 160 Euro | 340 Euro |
| 1.800 Euro | 180 Euro | 360 Euro | 540 Euro |
Hast du Kinder, kommt je Kind bis zu 300 Euro Kinderzulage obendrauf, schon ab rund 25 Euro Eigenbeitrag im Monat je Kind. Wer die Förderung voll ausschöpft, hat mehr Kapital im Depot, das je nach Risikoklasse arbeitet. Genau deshalb lohnt es sich, den maximalen geförderten Eigenbeitrag anzupeilen.
Kannst du mit zwei Depots verschiedene Risikoklassen kombinieren?
Ja, neben einem bestehenden Altvertrag sind bis zu zwei weitere neue Altersvorsorgeverträge zulässig, sodass du parallel mehr als ein Altersvorsorgedepot führen kannst. Damit lassen sich unterschiedliche Risikoklassen bewusst mischen.
Denkbar wäre ein offensives Depot für den langfristigen Renditeteil und ein defensiveres für den Teil, den du näher am Rentenbeginn absichern willst. Mit parallelen Depots verdoppelt sich der insgesamt einzahlbare Jahresbetrag auf bis zu 13.680 Euro. Die Zulagenförderung bleibt aber pro Person begrenzt, die Grundzulage gibt es nur einmal auf 1.800 Euro Eigenbeitrag. Für die meisten Sparer reicht ein einziges, breit gestreutes Depot vollkommen aus. Die Kombination zweier Risikoklassen lohnt vor allem dann, wenn du deutlich mehr als den geförderten Höchstbeitrag sparen willst.
Lässt sich die Risikoklasse im Altersvorsorgedepot später noch ändern?
Ja, deine Fondsauswahl innerhalb des Depots kannst du in der Regel jederzeit anpassen und so das Risiko im Zeitverlauf senken. Zusätzlich ist ein kompletter Anbieterwechsel nach fünf Jahren kostenfrei möglich, außerhalb dieser Frist darf der neue Anbieter höchstens 150 Euro Wechselgebühr verlangen.
Das gibt dir Spielraum, um dein Depot über die Jahre defensiver auszurichten, je näher der Rentenbeginn rückt. Ein Wechsel ist sogar zu Beginn der Auszahlungsphase möglich, falls dein Anbieter dort schlechte Konditionen bietet. Du bist also nicht für immer an die einmal gewählte Ausrichtung gebunden, was die Entscheidung beim Abschluss deutlich entspannter macht.
Für wen lohnt sich welche Risikoklasse beim Altersvorsorgedepot?
Wer noch 20 Jahre oder mehr bis zur Rente hat und Kursschwankungen aushält, fährt mit der renditeorientierten Variante ohne Garantie in aller Regel am besten. Die Beitragsgarantie kostet über lange Zeiträume mehr, als sie an Sicherheit bringt.
Die garantiegesicherte Variante ergibt Sinn, wenn du kurz vor Rentenbeginn stehst, wenn du psychisch keine großen Schwankungen verträgst oder wenn du das Geld fest verplant hast und keinen Verlust riskieren willst. Selbstständige, die erstmals Zugang zur Förderung erhalten, sollten Laufzeit und persönliche Absicherung ehrlich gegeneinander abwägen. Diese Punkte helfen bei der Entscheidung:
- Lange Laufzeit und ruhige Nerven sprechen für eine offensive, garantiefreie Ausrichtung
- Kurze Restlaufzeit oder hohes Sicherheitsbedürfnis sprechen für mehr abgesicherte Anteile
- Niedrige Kosten sind bei jeder Risikoklasse Pflicht, sonst verpufft der Renditevorteil
- Bei Ehepaaren lohnt es sich, dass beide ein eigenes Depot führen, um die Grundzulage doppelt zu nutzen
Ob sich das geförderte Depot für deine Situation überhaupt rechnet, klärt die Einordnung dazu, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt. Dort findest du auch konkrete Fallbeispiele für Angestellte, Selbstständige und Familien.
Häufige Fragen
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und ohne Verkaufsdruck.