Beim Altersvorsorgedepot legt dir der Staat bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr obendrauf, dazu 300 Euro je Kind. Beim normalen Depot bekommst du keinen Cent Zulage, dafür kommst du jederzeit an dein Geld und kannst frei über alles verfügen.
Das Altersvorsorgedepot ist seit dem 1. Januar 2027 abschließbar und der gesetzliche Nachfolger der Riester-Rente. Angespart wird in Aktien, Fonds und ETFs, also genau wie in einem freien Depot. Der Unterschied liegt in den Regeln drumherum: Zulagen, Steuervorteil, feste Auszahlung ab 65 und Bindung bis zur Rente.
Was unterscheidet das Altersvorsorgedepot vom normalen Depot?
Der zentrale Unterschied ist die staatliche Förderung gegen die Bindung deines Geldes bis zur Rente. In beiden Fällen kaufst du Aktien, Fonds und ETFs, in beiden Fällen trägst du das Kursrisiko selbst. Beim geförderten Altersvorsorgedepot zahlt der Staat Zulagen dazu und du kannst Beiträge steuerlich geltend machen, dafür kommst du frühestens mit 65 an das Kapital.
Ein freies Depot gibt es dagegen ohne Auflagen. Du zahlst ein und aus, wann du willst, du verkaufst wann du willst, und niemand schreibt dir vor, wann und wie du dir das Geld auszahlst. Diese Freiheit kostet dich die Förderung und einen Teil der Nettorendite über die Abgeltungsteuer, also die pauschale Steuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge.
Leg die beiden Varianten direkt nebeneinander:
| Altersvorsorgedepot | Normales Depot | |
|---|---|---|
| Staatliche Zulagen | bis 540 Euro Grundzulage plus 300 Euro je Kind | keine |
| Steuervorteil in der Einzahlphase | ja, Beiträge absetzbar | nein |
| Verfügbarkeit vor 65 | gebunden bis frühestens 65 | jederzeit |
| Auszahlung | Rente oder Auszahlplan ab 65, max. 30 Prozent auf einmal | frei bestimmbar |
| Besteuerung Auszahlung | nachgelagert mit persönlichem Steuersatz | 25 Prozent Abgeltungsteuer auf Gewinne |
| Kostendeckel | max. 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr | kein gesetzlicher Deckel |
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Die Grundzulage liegt bei maximal 540 Euro pro Jahr, dazu kommen 300 Euro je Kind. Der Staat legt 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag drauf und 25 Prozent auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro. Wer die vollen 1.800 Euro einzahlt, holt sich 180 Euro plus 360 Euro, also 540 Euro geschenkt.
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Für jedes Kind gibt es 100 Prozent Zulage auf bis zu 300 Euro Eigenbeitrag, also volle 300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr. Den vollen Kinderzuschlag erreichst du schon ab rund 25 Euro Eigenbeitrag im Monat je Kind. Wer den Vertrag vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt zusätzlich einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.
Rechne einmal mit, wie stark die Grundzulage mit deinem Eigenbeitrag wächst:
| Eigenbeitrag pro Jahr | Grundzulage | Förderquote |
|---|---|---|
| 360 Euro | 180 Euro | 50 Prozent |
| 900 Euro | 180 + 135 = 315 Euro | 35 Prozent |
| 1.200 Euro | 180 + 210 = 390 Euro | 32,5 Prozent |
| 1.800 Euro | 180 + 360 = 540 Euro | 30 Prozent |
Einzahlen kannst du bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Zulagen gibt es aber nur auf die ersten 1.800 Euro Eigenbeitrag. Alles darüber sparst du steuerlich begünstigt an, ohne weitere Zulage.
Wie viel mehr bringt das Altersvorsorgedepot im Rechenbeispiel?
Nimm eine Familie mit zwei Kindern, die 1.800 Euro pro Jahr einzahlt. Sie bekommt 540 Euro Grundzulage plus zweimal 300 Euro Kinderzulage, macht 1.140 Euro Zulagen pro Jahr. Von den 1.800 Euro Sparleistung stammen also 1.140 Euro vom Staat, gerade einmal 660 Euro muss die Familie aus eigener Tasche aufbringen.
Im freien Depot müsste dieselbe Familie die vollen 1.800 Euro selbst einzahlen, um denselben Betrag zu investieren. Über 30 Jahre summieren sich allein die Zulagen ohne Verzinsung auf 34.200 Euro.
Schau dir an, was das für ein einziges Sparjahr dieser Familie bedeutet:
| Altersvorsorgedepot | Normales Depot | |
|---|---|---|
| Investiert pro Jahr | 1.800 Euro | 1.800 Euro |
| Davon eigenes Geld | 660 Euro | 1.800 Euro |
| Grundzulage | 540 Euro | 0 Euro |
| Kinderzulage (2 Kinder) | 600 Euro | 0 Euro |
| Zulagen gesamt | 1.140 Euro | 0 Euro |
Ohne Kinder fällt der Vorteil kleiner aus, bleibt aber deutlich. Bei 1.800 Euro Eigenbeitrag holst du dir 540 Euro Grundzulage, also 30 Prozent Rendite auf deinen Einsatz, noch bevor an der Börse ein einziger Euro Kursgewinn entsteht. Diese Startrendite gibt dir kein freies Depot.
Wer das Altersvorsorgedepot vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus obendrauf. Dieser Bonus wird nur einmal gewährt und verfällt, wenn du den Abschluss auf später verschiebst.
Welche Nachteile hat das Altersvorsorgedepot gegenüber dem freien Depot?
Der größte Nachteil ist die Bindung: An dein Geld kommst du frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Die Auszahlung muss spätestens mit dem 70. Geburtstag beginnen, ein Auszahlplan läuft mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr. Auf einmal auszahlen lassen darfst du höchstens 30 Prozent des Kapitals, der Rest kommt als Rente oder in Raten.
Dazu kommt die nachgelagerte Besteuerung. Leistungen aus geförderten Beiträgen versteuerst du in der Auszahlphase voll mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Im freien Depot zahlst du auf Gewinne nur 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli. Ob die nachgelagerte Besteuerung günstiger ist, hängt von deinem Steuersatz im Ruhestand ab.
Beim freien Depot zählen diese Pluspunkte:
- Du verkaufst und verfügst jederzeit über dein Geld, ohne Altersgrenze.
- Du bestimmst selbst, ob und wie du dir das Kapital auszahlst.
- Gewinne unterliegen der pauschalen Abgeltungsteuer statt dem persönlichen Satz.
- Du bist an keine Auszahlfristen bis zum 70. oder 85. Lebensjahr gebunden.
- Kein Verlust von Zulagen, wenn du das Depot an andere als den Ehepartner vererbst.
Beim Altersvorsorgedepot sprechen diese Punkte für sich:
- Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, dazu 300 Euro je Kind.
- Berufseinsteigerbonus von 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag.
- Steuerlich absetzbare Beiträge in der Einzahlphase.
- Effektivkosten beim Standarddepot auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt.
- Auch Selbstständige haben mit der Reform erstmals Zugang zur Förderung.
Wie stark schmälern Kosten und Steuern den Vorteil beim Altersvorsorgedepot?
Beim staatlich anerkannten Standard-Altersvorsorgedepot sind die Effektivkosten auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, und Abschlusskosten müssen auf die gesamte Ansparphase verteilt werden. Ein freies Depot kennt keinen solchen Deckel, ist bei günstigen Brokern aber oft billiger: Viele verlangen keine Depotgebühr, ETFs kosten rund 0,1 bis 0,3 Prozent laufend, Sparpläne laufen häufig kostenlos.
Über 30 oder 40 Jahre macht schon ein Kostenunterschied von wenigen Zehntel Prozent im Endkapital viel aus. Wenn dein Altersvorsorgedepot an der oberen Grenze von 1,0 Prozent liegt und dein freies Depot bei 0,2 Prozent, frisst der Kostenunterschied einen Teil des Zulagenvorteils wieder auf. Deshalb lohnt der genaue Blick auf die Effektivkosten deines Altersvorsorgedepots, bevor du unterschreibst.
Trotzdem: Bei Familien mit Kindern übersteigt die Zulage in aller Regel den Kostennachteil deutlich. 1.140 Euro Zulagen im Jahr wiegen einen Kostenunterschied von 0,8 Prozent bei einem noch kleinen Depot mühelos auf. Erst bei sehr hohen Depotständen und ohne Kinder kann sich das Bild drehen, wenn die laufenden Kosten prozentual immer schwerer wiegen.
Wer Kinder hat und langfristig für die Rente spart, sollte das Altersvorsorgedepot ernstnehmen. 1.140 Euro Zulagen pro Jahr sind kein Kleingeld, das lässt sich mit keinem freien Depot aufholen.
Uwe Lätsch, finanda
Kannst du Altersvorsorgedepot und normales Depot sinnvoll kombinieren?
Ja, und für viele ist das die beste Lösung. Du musst dich nicht für ein einziges Depot entscheiden. Sinnvoll ist oft, den geförderten Höchstbeitrag von 1.800 Euro pro Jahr ins Altersvorsorgedepot zu stecken, um die volle Grundzulage mitzunehmen, und alles darüber flexibel im freien Depot anzulegen.
So sicherst du dir die Grundzulage plus Kinderzulagen und behältst bei allem Weiteren die volle Verfügbarkeit. Wer parallel sogar zwei Altersvorsorgedepots führt, kann den insgesamt einzahlbaren Betrag auf bis zu 13.680 Euro verdoppeln, die Zulage bleibt aber pro Person auf den Höchstbeitrag begrenzt. Wie sich die Förderung im Einzelfall gegen einen reinen ETF-Sparplan schlägt, hängt stark von Einkommen, Kinderzahl und Anlagehorizont ab.
Genau hier trennt sich, welches Depot zu welchem Sparziel passt:
| Sparziel | Passendes Depot |
|---|---|
| Rente ab 65 mit maximaler Förderung | Altersvorsorgedepot bis 1.800 Euro Eigenbeitrag |
| Geld, an das du vor 65 willst | normales Depot |
| Immobilienkauf oder Rücklage | normales Depot |
| Ansparen über 1.800 Euro hinaus für die Rente | freies Depot oder zweites Altersvorsorgedepot |
Für wen lohnt sich welches Depot am meisten?
Das Altersvorsorgedepot lohnt sich am stärksten für Familien mit Kindern und für Sparer mit hohem Einkommen, die den Steuervorteil ausschöpfen. Bei zwei Kindern kannst du mit 660 Euro eigenem Geld 1.800 Euro investieren, das erreicht kein freies Depot. Auch Selbstständige profitieren, weil sie erstmals Zugang zur Förderung haben. Ehepaare bekommen die Grundzulage sogar doppelt, wenn beide ein eigenes Depot führen.
Das freie Depot ist die bessere Wahl, wenn du Flexibilität brauchst oder vor der Rente an dein Geld willst. Wer für einen Immobilienkauf, ein Sabbatical oder eine größere Anschaffung spart, sollte das nicht ins gebundene Altersvorsorgedepot legen. Auch wer partout keine feste Rentenauszahlung ab 65 will, fährt mit dem freien Depot besser. Wie sich die Förderung im Einzelfall rechnet, zeigt die Frage, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt.
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Häufige Fragen
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und ohne Verkaufsdruck.