Seit dem 1. Januar 2027 gibt es das geförderte Altersvorsorgedepot, den gesetzlichen Nachfolger der Riester-Rente. Es spart in Aktien, Fonds und ETFs an und bringt dir bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr vom Staat. Die klassische Lebensversicherung setzt dagegen auf Sicherheit und garantierte Leistungen, kostet dafür aber oft Rendite.
Beide Wege sollen dir im Alter Geld verschaffen, unterscheiden sich aber grundlegend bei Förderung, Kosten, Renditechance und Flexibilität. Wer die falsche Entscheidung trifft, verliert über 30 Jahre schnell einen fünfstelligen Betrag an Endkapital.
Was unterscheidet das Altersvorsorgedepot von einer Lebensversicherung?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung. Die Lebensversicherung ist ein Vertrag mit einem Versicherer, der dir eine bestimmte Leistung zusagt. Beim Depot legst du dein Geld in Aktien, Fonds und ETFs an und trägst die Kursschwankungen selbst, dafür profitierst du voll von der Marktentwicklung. Bei der klassischen Kapitallebensversicherung verwaltet der Versicherer dein Geld überwiegend sicher und garantiert dir einen Mindestbetrag.
Der zentrale Unterschied liegt in der Förderung. Das Altersvorsorgedepot bekommt als staatlich anerkanntes Vorsorgeprodukt Zulagen und Steuervorteile. Eine gewöhnliche private Lebensversicherung erhält diese Zulagen nicht. Nur eine als Riester ausgestaltete Rentenversicherung war früher gefördert, und dieses alte Modell kannst du seit 2027 nicht mehr neu abschließen. Damit hat das Depot in der Förderfrage klar die Nase vorn.
Leg die beiden Produkte direkt nebeneinander:
| Altersvorsorgedepot | Klassische Lebensversicherung | |
|---|---|---|
| Anlage | Aktien, Fonds, ETFs | überwiegend sichere Anlagen des Versicherers |
| Staatliche Zulagen | bis 540 Euro Grundzulage plus Kinderzulagen | keine |
| Renditechance | hoch, aber schwankend | niedrig, dafür planbar |
| Garantie | optional, sonst renditeorientiert ohne Garantie | garantierte Mindestleistung |
| Kostendeckel | max. 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr beim Standarddepot | keine gesetzliche Deckelung |
Welche Förderung bekommst du beim Altersvorsorgedepot?
Beim Altersvorsorgedepot schießt der Staat kräftig zu, bei einer normalen Lebensversicherung gibt es keine Zulage. Das ist der größte Hebel zugunsten des Depots. Die Grundzulage beträgt 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr und danach 25 Prozent auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro. Wer den vollen geförderten Höchstbeitrag von 1.800 Euro einzahlt, bekommt so 540 Euro geschenkt.
Die Finanda App verbindet Konten, Depot und Versicherungen und zeigt dir Budget, Sparziele und Verträge in Echtzeit.
Dazu kommen Kinderzulagen von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro, wenn du den Vertrag vor deinem 25. Geburtstag abschließt. Selbstständige haben mit der Reform erstmals Zugang zu dieser Förderung. Eine Lebensversicherung bietet nichts davon, sie lebt allein von der Verzinsung deines eingezahlten Geldes. Wie sich die Förderquote mit steigendem Eigenbeitrag verändert, zeigt die folgende Staffelung.
Rechne einmal mit, was der Staat pro Jahr beisteuert:
| Eigenbeitrag pro Jahr | Grundzulage | Förderquote auf den Eigenbeitrag |
|---|---|---|
| 360 Euro | 180 Euro | 50 Prozent |
| 900 Euro | 315 Euro | 35 Prozent |
| 1.800 Euro | 540 Euro | 30 Prozent |
Der Wert 315 Euro bei 900 Euro Eigenbeitrag ergibt sich so: 50 Prozent von 360 Euro sind 180 Euro, dazu 25 Prozent von den restlichen 540 Euro, also 135 Euro, zusammen 315 Euro. Was das Depot für verschiedene Lebenslagen taugt, zeigt der Beitrag dazu, für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt.
Wie hoch sind die Kosten beim Altersvorsorgedepot im Vergleich zur Lebensversicherung?
Das Altersvorsorgedepot ist im Regelfall deutlich günstiger als eine klassische Lebensversicherung. Für das staatlich anerkannte Standard-Altersvorsorgedepot liegt die gesetzliche Obergrenze der Effektivkosten (also aller laufenden Kosten zusammengerechnet) bei 1,0 Prozent pro Jahr. Abschluss- und Vertriebskosten müssen außerdem gleichmäßig auf die gesamte Ansparphase verteilt werden, statt sie dir in den ersten Jahren vom Guthaben abzuziehen.
Lebensversicherungen kennen diese Deckelung nicht. Sie belasten dich häufig mit Abschlusskosten, Verwaltungskosten und Vertriebsprovisionen, die je nach Tarif spürbar an der Rendite nagen. In der Praxis verlangen viele Broker für das Depot gar keine Depotgebühr, und günstige ETFs kosten laufend nur rund 0,1 bis 0,3 Prozent im Jahr. Über eine Laufzeit von 30 Jahren macht schon ein Kostenunterschied von wenigen Zehntel Prozent pro Jahr einen fünfstelligen Unterschied beim Endkapital aus.
Genau hier trennt sich günstig von teuer:
| Altersvorsorgedepot | Klassische Lebensversicherung | |
|---|---|---|
| Effektivkosten pro Jahr | max. 1,0 Prozent (Standarddepot) | nicht gesetzlich gedeckelt |
| Depotgebühr | bei vielen Brokern 0 Euro | entfällt, dafür interne Verwaltungskosten |
| Fondskosten (TER) | ETFs rund 0,1 bis 0,3 Prozent | je nach Tarif höher |
| Abschlusskosten | auf ganze Ansparphase verteilt | oft in den ersten Jahren belastet |
Wie sich die einzelnen Gebühren zusammensetzen, zeigt der Beitrag zu den Kosten des Altersvorsorgedepots im Detail.
Wer trägt das Risiko beim Altersvorsorgedepot und bei der Lebensversicherung?
Beim Altersvorsorgedepot trägst du das Kursrisiko selbst, bei der klassischen Lebensversicherung übernimmt es der Versicherer. Das ist der entscheidende Unterschied in der Grundhaltung beider Produkte. Das Depot bietet dir zwei Varianten: eine mit Beitragsgarantie und eine renditeorientierte Depotvariante ganz ohne Garantie.
Ohne Garantie schwankt dein Guthaben mit dem Aktienmarkt. In schlechten Jahren siehst du Verluste, in guten Jahren wachsen deine Anteile stark. Über lange Zeiträume hat der breite Aktienmarkt historisch deutlich mehr abgeworfen als eine sicher verzinste Lebensversicherung. Die Versicherung gibt dir dafür Planbarkeit und eine garantierte Mindestleistung, verlangt aber den Preis einer niedrigeren Renditechance.
Diese Punkte helfen dir bei der Einordnung deines eigenen Risikoprofils:
- Hast du bis zur Auszahlphase noch 20 Jahre oder mehr Zeit, kannst du Kursschwankungen aussitzen.
- Brauchst du absolute Planbarkeit und schläfst bei Verlusten schlecht, gibt dir die Garantievariante oder eine Versicherung Ruhe.
- Willst du die volle Marktrendite, wählst du die renditeorientierte Depotvariante ohne Garantie.
- Fehlen dir nur wenige Jahre bis zur Rente, gewinnt Sicherheit an Gewicht.
Das Altersvorsorgedepot gibt es in zwei Varianten. Die renditeorientierte Variante ohne Garantie lässt dein Geld voll am Aktienmarkt arbeiten. Die Variante mit Beitragsgarantie sichert dir mindestens deine eingezahlten Beiträge plus Zulagen, dämpft aber die Renditechance. Welche Variante passt, hängt von deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft ab.
Wie viel mehr Endkapital kann das Altersvorsorgedepot bringen?
Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Nimm an, du zahlst 30 Jahre lang jährlich 1.800 Euro aus eigener Tasche ein und bekommst dazu jedes Jahr die volle Grundzulage von 540 Euro. Pro Jahr fließen so 2.340 Euro in den Vertrag.
Über 30 Jahre zahlst du damit 54.000 Euro selbst ein und erhältst 16.200 Euro Zulagen vom Staat, ganz ohne Kursgewinne. Allein die Zulagen entsprechen einem geschenkten Startvorteil von rund 30 Prozent auf deine Einzahlungen. Eine Lebensversicherung ohne Förderung startet dagegen nur mit deinen 54.000 Euro. Auf diese größere Basis wirkt beim Depot außerdem die höhere Renditechance des Aktienmarkts samt Zinseszins, sodass der Vorsprung mit jedem Jahr wächst.
Schau dir an, wie stark die Kapitalbasis schon vor jeder Rendite auseinanderläuft:
| Altersvorsorgedepot | Lebensversicherung ohne Förderung | |
|---|---|---|
| Eigenbeitrag pro Jahr | 1.800 Euro | 1.800 Euro |
| Zulage pro Jahr | 540 Euro | 0 Euro |
| Eigene Einzahlung in 30 Jahren | 54.000 Euro | 54.000 Euro |
| Zulagen in 30 Jahren | 16.200 Euro | 0 Euro |
| Kapitalbasis vor Rendite | 70.200 Euro | 54.000 Euro |
Wer den direkten Renditevergleich mit einem freien Sparplan sucht, findet die Abwägung zwischen Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan hilfreich.
16.200 Euro Zulagen in 30 Jahren sind kein Bonus, den du ignorieren kannst. Wer das Altersvorsorgedepot links liegen lässt, verschenkt bares Geld.
Uwe Lätsch, finanda
Wie werden Altersvorsorgedepot und Lebensversicherung in der Auszahlphase besteuert?
Beim Altersvorsorgedepot zahlst du die Steuer erst in der Auszahlphase, dafür dann in vollem Umfang. Leistungen, die auf geförderten Beiträgen beruhen, unterliegen der nachgelagerten Besteuerung mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Der Vorteil dabei: Im Ruhestand liegt dein Steuersatz oft niedriger als im Berufsleben, sodass du unter dem Strich weniger abgibst.
Die Auszahlung beim Depot ist an feste Regeln gebunden. Sie beginnt frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres und spätestens mit dem 70. Geburtstag. Zu Rentenbeginn kannst du bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals auf einen Schlag entnehmen, den Rest bekommst du als lebenslange Leibrente oder als befristeten Auszahlplan, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr laufen muss.
Diese Auszahlungsvarianten stehen dir beim Altersvorsorgedepot offen:
- Teilkapitalauszahlung von bis zu 30 Prozent des Kapitals zu Rentenbeginn.
- Lebenslange Leibrente für den restlichen Betrag.
- Befristeter Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht.
- Optionale Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren zugunsten von Hinterbliebenen.
Wie sich die Steuer in der Praxis auswirkt, ist bei der Frage zur Auszahlungsphase des Altersvorsorgedepots ausführlich beschrieben.
Nachgelagert besteuert heißt: Du zahlst jetzt keine Steuer auf die Einzahlungen, sondern erst dann, wenn du im Alter Geld ausgezahlt bekommst. Das ist ein echter Vorteil gegenüber einer privaten Lebensversicherung, bei der du aus bereits versteuertem Einkommen einzahlst.
Was passiert mit Altersvorsorgedepot und Lebensversicherung im Todesfall?
Stirbst du vor oder während der Auszahlphase, lässt sich das angesparte Vermögen des Altersvorsorgedepots ohne Abzüge und ohne Verlust der Förderung auf einen Altersvorsorgevertrag deines überlebenden Ehegatten übertragen. Voraussetzung ist, dass dieser Vertrag auf den Namen des Ehepartners lautet. Vererbst du das Vermögen an andere Personen als den Ehepartner, musst du die staatlichen Zulagen zurückzahlen.
Noch nicht ausgezahltes Vermögen ist grundsätzlich vererbbar. Bei einer lebenslangen Leibrente ohne Garantiezeit endet die Zahlung nach Rentenbeginn jedoch mit deinem Tod, eine Vererbung ist dann nicht vorgesehen. Vereinbarst du eine zehn- oder zwanzigjährige Rentengarantiezeit, erhalten deine Hinterbliebenen die Rente in diesem Zeitraum weiter. Für Erben gelten die normalen erbschaftsteuerlichen Freibeträge.
Jetzt wird es konkret, Erbe für Erbe:
| Erbe | Erbschaftsteuerlicher Freibetrag | Zulagen bleiben erhalten |
|---|---|---|
| Ehepartner | 500.000 Euro | ja, bei Übertrag auf eigenen Vertrag |
| Kind | 400.000 Euro | nein, Zulagen sind zurückzuzahlen |
| andere Personen | je nach Verwandtschaftsgrad | nein, Zulagen sind zurückzuzahlen |
Was in verschiedenen Familienkonstellationen sinnvoll ist, klärt der Beitrag zur Auszahlung im Todesfall.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Für die meisten jungen und mittelalten Sparer mit langem Anlagehorizont ist das Altersvorsorgedepot die renditestärkere Wahl. Die Zulagen, der Kostendeckel von 1,0 Prozent und die Renditechance des Aktienmarkts sprechen klar dafür. Wer Kinder hat, holt zusätzlich bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und Jahr heraus. Auch Selbstständige profitieren, weil sie erstmals Zugang zur Förderung bekommen.
Eine Lebensversicherung bleibt vor allem dann sinnvoll, wenn du Kursschwankungen überhaupt nicht erträgst oder nur noch wenige Jahre bis zur Rente hast und maximale Planbarkeit willst. Wer die Sicherheit im Depot sucht, wählt stattdessen die Variante mit Beitragsgarantie und behält trotzdem die Zulagen. Bestehende Riester-Verträge und Lebensversicherungen laufen weiter und werden nicht automatisch umgewandelt, ein Wechsel eines Riester-Vertrags in ein Altersvorsorgedepot ist aber möglich.
Diese Faustregeln helfen dir bei der Entscheidung:
- Langer Horizont und Wunsch nach Rendite: Altersvorsorgedepot, renditeorientierte Variante.
- Zulagen mitnehmen wollen: Altersvorsorgedepot, weil die Lebensversicherung keine bekommt.
- Sicherheit im geförderten Rahmen: Altersvorsorgedepot mit Beitragsgarantie.
- Absolute Planbarkeit und kurze Restlaufzeit: klassische Lebensversicherung.
Wenn du deine Sparraten und Verträge an einem Ort im Blick behalten willst, hilft dir die kostenlose App von finanda dabei, den Überblick über deine Altersvorsorge zu behalten.
Häufige Fragen
Uwe Lätsch ist Gründer von Finanda und begleitet seit über 15 Jahren Menschen bei Geldthemen. Er schreibt über Altersvorsorge, ETFs, Versicherungen und den Alltag mit Finanzen, immer verständlich und ohne Verkaufsdruck.